Zuletzt aktualisiert: 31.08.2026

Die AfD Sachsen-Anhalt steht wenige Tage vor der Landtagswahl vor einem möglichen historischen Wahlerfolg. Doch ein hoher Stimmenanteil darf nicht darüber hinwegtäuschen, welche politischen und demokratischen Fragen mit einem möglichen Machtgewinn der Partei verbunden wären. Im Videopodcast „Politik auf den Punkt gebracht“ der Union Stiftung diskutiert der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Werner Patzelt über die Lage. Viele seiner Einschätzungen fallen dabei deutlich weniger kritisch aus als die Bewertung der AfD durch staatliche Stellen.

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Transparenzhinweis: Dieser Artikel wurde mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und redaktionell aufbereitet. Er basiert auf dem YouTube-Video „AfD in Sachsen-Anhalt: Das Ende von Merz und der CDU wie wir sie kennen?“ mit Prof. Werner J. Patzelt, veröffentlicht am 30.08.2026.

AfD Sachsen-Anhalt und Ulrich Siegmund im Fokus

Die AfD Sachsen-Anhalt führt mit ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund die aktuellen Umfragen an. Das allein bedeutet jedoch weder eine sichere absolute Mehrheit noch einen Regierungsauftrag. Wahlumfragen bleiben Momentaufnahmen, zumal die Sitzverteilung stark davon abhängt, welche kleineren Parteien die Fünf-Prozent-Hürde überwinden.

Besonders wichtig für die politische Einordnung ist ein Punkt, der im Gespräch der Union Stiftung nur begrenzt zur Sprache kommt: Der Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt stuft den AfD-Landesverband seit 2023 als gesichert rechtsextremistische Bestrebung ein. Die Behörde sieht unter anderem Anhaltspunkte dafür, dass sich die politische Agitation gegen die Menschenwürde und gegen zentrale Prinzipien der demokratischen Ordnung richtet.

Damit geht die Debatte über einen möglichen Wahlsieg erheblich über gewöhnliche Fragen nach Koalitionen und Mehrheiten hinaus.

Ulrich Siegmund und liberale Demokratie

Ulrich Siegmund steht deshalb auch im Zentrum einer Debatte über die liberale Demokratie. Der „Spiegel“ bezeichnete ihn auf einem Titel als „gefährlichsten Mann Deutschlands“. Patzelt kritisiert diese Zuspitzung im Podcast als reißerisch und warnt davor, dass sie der AfD sogar zusätzliche Aufmerksamkeit verschaffen könne.

Diese Medienkritik kann berechtigt diskutiert werden. Sie darf allerdings nicht die inhaltliche Auseinandersetzung ersetzen. Der „Spiegel“ begründete seine drastische Wortwahl gerade mit Siegmunds politischem Programm und dem rechtsextremen Umfeld des Landesverbandes. Auch andere aktuelle Recherchen verweisen auf radikale Netzwerke und Positionen innerhalb der Partei.

Eine sachliche Kritik an der AfD muss daher stärker auf Programme, Akteure und konkrete politische Vorhaben schauen als auf spektakuläre Schlagzeilen.

AfD-Regierung und demokratische Institutionen

Eine mögliche AfD-Regierung würde die demokratischen Institutionen Sachsen-Anhalts vor eine neue Situation stellen. Patzelt betont im Gespräch, dass auch eine AfD-geführte Landesregierung zunächst an Verfassung, Gesetze, parlamentarische Kontrolle und Verwaltungsrecht gebunden wäre.

Das ist formal richtig. Gerade deshalb wäre jedoch entscheidend, wie eine solche Regierung bestehende Spielräume tatsächlich nutzt. Parlamente entscheiden beispielsweise über Bildung, Verwaltung, Kulturpolitik und Teile der Medienordnung. Politische Veränderungen können deshalb auch innerhalb gesetzlicher Verfahren erhebliche gesellschaftliche Folgen entwickeln.

Die Einstufung des Landesverbandes durch den Verfassungsschutz macht diese Frage besonders relevant. Im aktuellen Verfassungsschutzbericht wird die AfD Sachsen-Anhalt sogar als größte Bedrohung für die Demokratie im Land bezeichnet. Die Behörde verweist dabei unter anderem auf ethnopluralistische Vorstellungen und Bestrebungen, demokratische Institutionen verächtlich zu machen.

Brandmauer und CDU unter Druck

Die Brandmauer zur AfD bringt die CDU angesichts der Umfragewerte in eine schwierige strategische Situation. Patzelt argumentiert seit Jahren für sogenannte konditionierte Kooperationsangebote und hält eine Annäherung zwischen Union und AfD unter bestimmten Bedingungen für denkbar.

Genau dieser Ansatz ist jedoch politisch hoch umstritten. Eine Zusammenarbeit mit einem Landesverband, den die zuständige Verfassungsschutzbehörde als gesichert rechtsextremistisch bewertet, wäre nicht nur eine taktische Entscheidung. Sie würde auch die Frage aufwerfen, welche Grenzen demokratische Parteien gegenüber extremistischen Positionen ziehen.

Patzelts Kritik an der bisherigen CDU-Strategie beschreibt damit nur einen Teil des Problems. Denn eine Öffnung gegenüber der AfD könnte die Partei politisch normalisieren, obwohl zentrale Positionen des Landesverbandes aus Sicht des Verfassungsschutzes mit grundlegenden Prinzipien der freiheitlichen demokratischen Ordnung kollidieren.

Fazit: Landtagswahl 2026 wird zum Demokratietest

Die Landtagswahl 2026 entwickelt sich deshalb zu einem wichtigen Demokratietest für Sachsen-Anhalt. Am 6. September entscheiden die Wählerinnen und Wähler über die Zusammensetzung des neuen Landtags. Aktuelle Umfragen sehen die AfD deutlich vorne, jedoch ohne gesicherte absolute Mehrheit.

Das Interview mit Werner Patzelt zeigt vor allem, wie stark sich die politische Diskussion bereits um den Umgang mit der AfD dreht. Dabei wäre es zu kurz gegriffen, ihren Aufstieg ausschließlich mit Fehlern anderer Parteien, Medienkritik oder der Brandmauer zu erklären.

Eine kritische Auseinandersetzung muss ebenso die Verantwortung der AfD Sachsen-Anhalt selbst betrachten: ihre politischen Forderungen, ihre Sprache, ihre Netzwerke und die vom Verfassungsschutz dokumentierten extremistischen Positionen. Erst dann lässt sich beurteilen, was ein möglicher Machtwechsel tatsächlich für Sachsen-Anhalt und die demokratische Kultur in Deutschland bedeuten könnte.

Über Werner J. Patzelt

Werner J. Patzelt, Jahrgang 1953, ist ein deutscher Politikwissenschaftler und emeritierter Professor der TU Dresden. Dort lehrte er von 1991 bis 2019 und war maßgeblich am Aufbau des Instituts für Politikwissenschaft beteiligt. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Parlamentarismus, politische Institutionen, Parteien und politische Kommunikation. Patzelt tritt zudem regelmäßig als politischer Kommentator in der Öffentlichkeit auf.