Saarbrücken – Am Dienstag, dem 10. Februar, fand in der Saarbrücker Bel Étage eine Abendveranstaltung mit großem Publikum anlässlich des 150. Geburtstages des großen Staatsmannes und ersten Kanzlers der Bundesrepublik Deutschland, Konrad Adenauer, statt. Sie wurde vom Politischen Bildungsforum Saarland der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Union Stiftung ausgerichtet.
Der Leiter des Bildungsforums, Dr. Karsten Dümmel, ergriff zu Beginn das Wort. Er erläuterte das Motto des Abends: eine prominente Aussage Adenauers, die er in seiner Regierungserklärung zu den Pariser Verträgen im Jahr 1952 angebracht hatte und die in Gänze lautet: „Wir stehen vor der Wahl zwischen Sklaverei und Freiheit – wir wählen die Freiheit!“ Damit habe, so Dümmel, der damalige Bundeskanzler eine bedeutsame Weichenstellung für Deutschland und Europa vorgenommen. Begrüßt wurde von ihm Notar a. D. Konrad Paul Adenauer, ein Enkel des Staatslenkers, der im Verlauf der Veranstaltung persönlich an seinen Großvater erinnern sollte.
Nach Dümmel sprachen Annegret Kramp-Karrenbauer als Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung und JR Hans-Georg Warken, Vorstandsvorsitzender der Union Stiftung. Während Kramp-Karrenbauer die von Adenauer verdienstvoll grundgelegten Pfeiler der Bundesrepublik und deren Bedrohung angesichts der Gegenwartslage hervorstrich, legte Warken dar, dass der erste Kanzler von einem klaren „Wertekanon“ ausgegangen sei. Dessen geistige Freiheit bezeichnete er als vorbildlich, auch für die Jetztzeit mit nicht selten vorgegebenen Denkstrukturen.
Es folgten in ausführlichem Vortrag die teilweise über 75 Jahre zurückreichenden Erinnerungen von Konrad Paul Adenauer an den einstigen Kölner Oberbürgermeister, den gläubigen, vom NS-Regime verfolgten Katholiken und den Mitbegründer sowie die prägende Figur der frühen Bundesrepublik. In deren Mittelpunkt stand das glückende Streben des Kanzlers nach einer Aussöhnung mit Frankreich und seine persönliche Freundschaft mit dem Staatspräsidenten des Nachbarlandes, de Gaulle. Der Enkel betonte den für Adenauer zentralen und stets in politisches Handeln umgesetzten Begriff der „Freiheit“, ohne den für ihn weder der Frieden noch die Wiedervereinigung Deutschlands von Wert gewesen seien. Auch hob er auf die Verdienste seines Großvaters um die israelisch-deutsche Annäherung ab. In neueren Biografien vorgebrachte Kritik an dessen Vorgehensweise wies er zurück und würdigte das öffentliche Gedenken im Geburtsjahr – monierte indes, dass ein solches von staatlicher Seite weitgehend ausstehe.
Konrad Paul Adenauer schloss seine mit eigenen Erinnerungen einhergehenden Ausführungen im Geiste des Großvaters: Europa müsse zusammenstehen und als Weltgegend eine Bedeutung erlangen, die geeignet sei, im Ringen der großen Mächte zu bestehen sowie die Idee der Freiheit zu verteidigen. Ein Interview auf dem Podium mit dem Enkel folgte. Dabei traten auch heitere Facetten des ersten Kanzlers zutage. Erwähnt wurde sein Bild im Spiegel zeitgenössischer und gegenwärtiger Karikaturisten, die ihn häufig als listigen politischen Fuchs darstellten. Wortmeldungen zu den Ausführungen und lokale Erinnerungen an Adenauer erreichten zuletzt das Podium. Sie kreisten unter anderem um Fragen, wie der Staatsmann innerhalb der aktuellen Weltlage gehandelt hätte, welchen Eindruck er in der deutschen Nation hinterlassen habe und wie Aufarbeitungen seines Handelns in filmischer Gestalt geeignet seien, sein Wirken hervorzukehren. Unter dem Enkel geltenden starken Applaus klang der Abend aus. Er trug dazu bei, Konrad Adenauer als großen Deutschen und Europäer angemessen zu würdigen.
Sie haben die Veranstaltung verpasst? Dann können Sie sich den ganzen Vortrag von Konrad Paul Adenauer, Notar a.D. jetzt noch einmal auf dem YouTube-Kanal der Union Stiftung youtube.com/@unionstiftung ansehen.
Text: Oliver Siebisch
