Die Landtagswahl Saarland 2027 wirft ihre Schatten voraus. Am 18. April wählen die Saarländer einen neuen Landtag, derzeit regiert die SPD mit Ministerpräsidentin Anke Rehlinger seit 2022 mit absoluter Mehrheit. Einen ersten Test lieferte die Wiederholungswahl Saarbrücken am 30. August, bei der die Regionalverbandsversammlung neu gewählt wurde. Die AfD hatte geklagt, weil sie 2024 nicht auf der Liste stand. Im Podcast „Politik auf den Punkt gebracht“ der Union Stiftung erklärt Wahlforscher Valentin Blumert, Gründer von Wahlkreisprognose.de, was die Ergebnisse über die Landtagswahl verraten. Michael Scholl, Geschäftsführer der Union Stiftung, führt das Gespräch.
Landtagswahl Saarland 2027: SPD vor AfD und CDU
Bei der Landtagswahl Saarland 2027 liegt die SPD laut einer Modellrechnung bei 29 Prozent, die AfD bei 24 und die CDU bei 21 Prozent. Die Grünen kämen auf 7,5 Prozent, die Linke auf 6,5 Prozent. Die FDP bliebe unter fünf Prozent. Blumert geht dabei davon aus, dass sich Landtags- und Bundestrend im Saarland weiter ähnlich entwickeln, und bezieht die Regionalversammlungswahl in die Rechnung ein.
Allerdings warnt er vor festen Prognosen, denn Wahlkämpfe lösen etwas aus. Parteien können Boden gutmachen oder verlieren, zudem spielt der Zustand der Bundesregierung eine Rolle. Rehlinger gilt ihm als bekannteste und populärste Politikerin im Saarland, daher hält er eine erneute absolute Mehrheit nicht für völlig unrealistisch. Schon 2022 setzte sich die SPD mit besserer Kampagne und der beliebteren Spitzenkandidatin durch.
CDU-Wähler und Nichtwähler: Mobilisierung entscheidet
Auffällig blieben vor allem CDU-Wähler der Kommunalwahl 2024 diesmal zu Hause. Rund 25.000 Stimmen wanderten von der CDU ins Lager der Nichtwähler, weitaus mehr als bei jeder anderen Partei. Dahinter folgen 14.000 Stimmen der SPD und 6.600 der Linken. Blumert spricht von einem überproportionalen Effekt.
Auch die Bindungsquote bestätigt das: Die Grünen hielten über 50 Prozent ihrer Wähler, die SPD 48 Prozent, die CDU nur gut 31 Prozent. Für die Landtagswahl bleibt die Mobilisierung deshalb eine zentrale Aufgabe der CDU. Die Jusos führen die Schwäche auf einen lahmen Wahlkampf zurück, während die SPD in Kneipen und auf Veranstaltungen präsent gewesen sei. Blumert stimmt dem weitgehend zu, betont aber, dass er keine Befragung durchgeführt hat und die Motive offen bleiben.
AfD-Wähler und Wahlbeteiligung: Grenzen der AfD
Die AfD-Wähler kamen vor allem von den Freien Wählern, die 2024 antraten und diesmal fehlten. Die Wahlbeteiligung sank von knapp 60 auf etwas über 40 Prozent, blieb aber für eine singuläre Wiederholungswahl relativ hoch. Zudem stammen etwa zehn Prozent der AfD-Wähler von der SPD und rund sieben Prozent von der CDU.
Blumert betont, dass die AfD auch im Westen kein rein ostdeutsches Phänomen mehr ist. Allerdings sieht er Grenzen, denn in katholisch geprägten ländlichen Gebieten hat die Partei nach einer verbreiteten These häufiger Probleme. Außerdem können die saarländischen Volksparteien sich vom Bundestrend abgrenzen und besser mobilisieren. Bei der Landtagswahl kann das Ergebnis deshalb anders ausfallen als bei der Regionalversammlungswahl.
Hochburgen und Stefan Toscani: Wo die CDU aufholen muss
Die Hochburgen der CDU verloren überproportional an Stimmen, vor allem in Gebieten mit viel Eigentum und älterer Bevölkerung. Für Spitzenkandidat Stefan Toscani heißt das, Stammwähler zurückzuholen und Bekanntheit sowie Kompetenz aufzubauen. In Saarbrücken erreichte die CDU nur 15,7 Prozent, in Völklingen 17,5 statt 33 Prozent bei der vorigen Wahl. Sie gewann lediglich Püttlingen und Riegelsberg, während SPD und AfD je vier Kommunen holten.
Mehr dazu: Die politische Stimmung im Saarland vor der Europa- und Kommunalwahl 2024
Dennoch sieht Blumert Potenzial für Platz zwei. Nachholbedarf hat die CDU in katholisch geprägten, kleineren Kommunen und bei Wählern ab 60 Jahren. Als Themen nennt er Wirtschaft, Bezahlbarkeit, ÖPNV, Wissenschaft und Gesundheit. Außerdem könne sich die CDU auf eine rot-schwarze Koalition einstellen und klar benennen, welche Aufgaben sie dann übernehmen will. Gleichzeitig kann sie Wähler in der Mitte an die SPD verlieren, wenn diese einen starken Wahlkampf führt und Rehlinger ihre Beliebtheit hält.
Offizielle Informationen: Informationen des Landeswahlleiters zur Landtagswahl im Saarland
