Zuletzt aktualisiert: 12.10.2026

Eindrucksvolle, großformatige Fotografien sind gerade im Haus der Union Stiftung zu betrachten. Sie zeigen 26 prominente, deutsch-jüdische Überlebende der Shoa, die meist im deutschen Sprach- und Kulturraum zuhause und in ihm häufig tief verwurzelt waren.

Die Aufnahmen stammen von der namhaften Fotografin und Dokumentarfilmerin Herlinde Koelbl, die, wie sie selbst sagte, zeigen möchte, „wen die Deutschen eigentlich vertrieben haben“. Sie tragen dazu bei, die Erinnerung an ein Menschheitsverbrechen wachzuhalten, für das Deutsche verantwortlich waren.

Den zwischen 1986 und 1989 entstandenen Lichtbildern hat Herlinde Koelbl „Auszüge aus Interviews, die sie mit den Portraitierten geführt hat, zur Seite gestellt. So fügen sich Gesichter und Aussagen zu einer einzigartigen Studie über Trennendes und Verbindendes zusammen.“

Zu sehen sind unter anderen prominente Menschen wie Grete Weil, Marcel Reich-Ranicki, Bruno Kreisky und Simon Wiesenthal. Sie stehen oftmals für eine intensive Aufarbeitung der Shoa sowie für sehr bereichernde Beiträge zum Geistes- und Kulturleben sowie der Politik der Nachkriegszeit. Die Überlebenden konnten die Schreckenstaten nie vergessen, und doch haben sie neue Bande geknüpft, in Deutschland, Österreich und darüber hinaus gewirkt.

In der Ausstellung ist auch das Portrait des im vorigen Jahr im Alter von 103 Jahren in Paris verstorbenen Georg Stefan Troller anzutreffen, eines markanten Jahrhundertzeugen.

Einem jüdischen Wiener Elternhaus entstammend, vor dem Nationalsozialismus geflohen und nach den Vereinigten Staaten emigriert, führte ihn sein Weg noch während des Zweiten Weltkrieges zurück nach Europa – zunächst als amerikanischer Soldat, der an der Dokumentation des Konzentrationslagers Dachau beteiligt war.

Berühmt geworden vor allem durch seine früh einsetzenden Fernsehdokumentationen aus Paris für deutsche Rundfunkanstalten, sodann durch seine feinfühlig-subjektive Sendereihe „Personenbeschreibung“, steht er beispielhaft für dasjenige, was trotz der Erinnerungen möglich wurde: Brücken zu bauen, in Deutschland Interesse und Sympathie für das Nachbarland Frankreich zu wecken, den Blick weit über das Eigene hinaus zu öffnen.

Wer selbst einen Eindruck von der Gesamtheit der sinnbildhaften Fotografien sowie den prägnanten Zitaten gewinnen möchte, möge die Ausstellung im Haus der Union Stiftung besuchen. Sie ist dort noch bis zum 18. Dezember zu sehen.