Zuletzt aktualisiert: 14.09.2026

Russlands Verhältnis zu Europa befindet sich nach Einschätzung des Historikers Professor Dr. Frank-Lothar Kroll an einem historischen Tiefpunkt. Im Gespräch mit Alina Gihl, Moderatorin und Praktikantin der Union Stiftung, beschreibt er den Bruch mit Europa als Ergebnis einer langen Entwicklung, die unter Wladimir Putin eine neue Dimension erreicht habe. Grundlage des Gesprächs ist Krolls Buch „Das Schattenreich – Russlands langer Abschied von Europa“, in dem er die historische Entfremdung Russlands von Europa untersucht. Besonders der Krieg gegen die Ukraine habe seinen eigenen Blick auf Russland und dessen Geschichte grundlegend verändert.

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Transparenzhinweis: Dieser Artikel wurde mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und redaktionell aufbereitet. Er basiert auf dem YouTube-Video „Feindbild Europa: So schürt Putin Hass in der russischen Bevölkerung!“, veröffentlicht am 13.09.2026.

Putin und Russland entfernen sich von Europa

Putin und Russland stehen für Kroll heute für eine politische Entwicklung, die eine Annäherung an Europa auf absehbare Zeit erschwert. Dabei blickt der Historiker weit in die Vergangenheit zurück. Russland habe über Jahrhunderte kulturelle, dynastische und wirtschaftliche Verbindungen zu Europa unterhalten. Gleichzeitig hätten sich politische Strukturen anders entwickelt als im Westen.

Mehrere Versuche einer Europäisierung Russlands hätten daran langfristig wenig geändert. Peter der Große leitete um 1700 umfassende Reformen ein. Weitere Modernisierungsphasen folgten im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Dennoch konnten sich nach Krolls Interpretation demokratische und parlamentarische Strukturen nicht dauerhaft etablieren.

Auch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion sei die Hoffnung groß gewesen, Russland könne sich stärker der europäischen Ordnung annähern. Rückblickend bewertet Kroll diese Erwartung als zu optimistisch. Zugleich betont er, dass auch der Westen nach 1990 politische Fehler gemacht habe.

Ukraine-Krieg und Putin verändern den Blick

Der Ukraine-Krieg und Putin markieren für den Historiker einen entscheidenden Wendepunkt. Der russische Großangriff auf die Ukraine im Jahr 2022 habe seinen zuvor teilweise verklärten Blick auf die russische Geschichte verändert.

Besonders scharf kritisiert Kroll den Versuch, territoriale Ansprüche mit historischen Argumenten zu legitimieren. Putins Umfeld leide seiner Ansicht nach unter „Phantomschmerzen“ über den Verlust des früheren Imperiums. Vorstellungen einer historischen Einheit von Russen, Ukrainern und Belarussen hält der Historiker für ungeeignet, um heutige territoriale Forderungen zu begründen.

Die Ukraine habe eine eigene staatliche und nationale Identität entwickelt. Historische Verbindungen aus vergangenen Jahrhunderten könnten deshalb keinen Anspruch auf eine politische Wiedervereinigung unter russischer Führung rechtfertigen.

Russische Propaganda und Atomdrohungen sorgen für Spannungen

Russische Propaganda und Atomdrohungen gehören nach Krolls Einschätzung zur politischen Strategie des Kremls. Aussagen russischer Regierungsvertreter müssten kritisch betrachtet werden. Insbesondere die Darstellung, Russland befinde sich bereits in einem Krieg mit der NATO, weist er zurück.

Nach seiner Interpretation führt Russland Krieg gegen die souveräne Ukraine, während mehrere NATO-Staaten das angegriffene Land unterstützen. Gleichzeitig warnt Kroll vor hybriden Angriffen, darunter Cyberattacken und Sabotageaktionen. Eine mögliche Strategie könnte darin bestehen, die Reaktionsfähigkeit einzelner NATO-Staaten mit schwer eindeutig zuzuordnenden Aktionen zu testen.

Die wiederholten Hinweise Moskaus auf das russische Atomwaffenarsenal bewertet Kroll dagegen vor allem als Drohkulisse. Einen tatsächlichen Einsatz hält er für unwahrscheinlich. Dennoch macht er deutlich, dass eine solche Einschätzung mit Unsicherheit verbunden bleibt.

Putin will keinen Frieden

Die Thumbnailtext „Putin will keinen Frieden“ fasst die zentrale Kritik des Historikers zusammen. Der Putin will keinen Frieden, so Krolls Einschätzung, solange die russische Führung ihre politischen und territorialen Maximalforderungen nicht durchsetzen könne.

Ein Rückzug stelle Putin zudem vor ein innenpolitisches Problem. Die russische Führung müsste erklären, weshalb ein verlustreicher Krieg begonnen wurde, ohne die angestrebten Ziele zu erreichen. Kroll sieht deshalb aktuell keinen klaren Weg zu einer dauerhaften Friedenslösung.

Dabei räumt der Historiker ausdrücklich ein, die weitere Entwicklung nicht vorhersagen zu können. Gerade diese Unsicherheit macht den Konflikt aus seiner Sicht für Europa so gefährlich.

Russland und Europa vor langfristiger Entfremdung

Russland und Europa könnten nach Krolls Einschätzung noch lange voneinander getrennt bleiben. Die Beziehungen seien politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich schwer beschädigt. Für Deutschland bedeutet das unter anderem veränderte Handelsbeziehungen und eine dauerhaft neue sicherheitspolitische Lage.

Hinzu kommt die Entwicklung innerhalb Russlands. Kroll kritisiert fehlende freie Medien und einen öffentlichen Diskurs, der zunehmend gegen den Westen gerichtet sei. Dadurch habe sich auch das Bild Europas in Teilen der russischen Bevölkerung verändert.

Besonders deutlich werde der Wandel beim Umgang mit Protest. Während in der späten Sowjetunion unter Michail Gorbatschow noch Demonstrationen gegen militärische Interventionen möglich gewesen seien, würden öffentliche Friedensproteste im heutigen Russland verfolgt.

Fazit: Ein tiefer Bruch zwischen Russland und Europa

Die Aussagen von Frank-Lothar Kroll zeichnen ein düsteres Bild der Beziehungen zwischen Russland und Europa. Aus seiner Sicht ist die gegenwärtige Entfremdung nicht allein eine Folge des Ukraine-Kriegs, sondern Teil einer langen historischen Entwicklung. Unter Wladimir Putin habe sich dieser Konflikt jedoch erheblich verschärft. Besonders kritisch bewertet Kroll den Umgang des Kremls mit historischen Gebietsansprüchen, die staatliche Propaganda und die zunehmende Konfrontation mit dem Westen.

Gleichzeitig warnt der Historiker vor einfachen Prognosen. Niemand könne verlässlich sagen, wie lange der Krieg dauern oder wie sich Russland nach einem möglichen Ende der Ära Putin entwickeln werde. Eine schnelle Annäherung an Europa hält Kroll jedoch für unwahrscheinlich. Dafür seien die politischen und gesellschaftlichen Gräben inzwischen zu tief. Ob daraus tatsächlich ein dauerhafter historischer Bruch entsteht, dürfte daher eine der zentralen Fragen für Europas zukünftige Sicherheitsordnung bleiben.

Über Frank-Lothar Kroll

Prof. Dr. Frank-Lothar Kroll ist Historiker und beschäftigt sich unter anderem mit deutscher und europäischer Geschichte sowie der Geschichte Russlands. Im Gespräch mit Alina Gihl, Moderatorin und Praktikantin der Union Stiftung, spricht er über das historische Verhältnis zwischen Russland und Europa, die Politik Wladimir Putins und die Folgen des Ukraine-Kriegs.

Grundlage des Gesprächs ist auch Krolls Buch „Das Schattenreich – Russlands langer Abschied von Europa“. Darin setzt er sich mit den historischen Entwicklungen auseinander, die das Verhältnis Russlands zu Europa geprägt haben. Die im Artikel wiedergegebenen Einschätzungen zu Putin, Russland und dem Krieg gegen die Ukraine geben die Positionen und Interpretationen Krolls aus dem Interview wieder.