Zuletzt aktualisiert: 23.01.2026

Vorstellung Ergebnisse Forschungsprojekt psst! Pirmasenser Storys

Am Mittwoch, dem 21. Januar 2026, wurde im Haus der Union Stiftung die wissenschaftliche Begleitstudie zum Projekt psst! Pirmasenser Storys öffentlich vorgestellt. Das lokaljournalistische, in der Horebstadt angesiedelte Forschungsprojekt der Stiftung nahm seinen Anfang um die Osterzeit des Jahres 2024. Abgezielt wurde auf die Beantwortung der Frage, ob es möglich sei, durch die Einführung eines neuen Mediums in Verbindung mit einem Newsletter die Zivilgesellschaft zu aktivieren.

Ein journalistisches Team begann daraufhin, Beiträge über die für Einwohner relevanten Themen unter dem Gesichtspunkt eines lösungsorientierten Ansatzes zu verfassen. Besonders hervorgehoben wurden die positiven Seiten der Stadt Pirmasens, die sichtbar gemacht werden sollten. So gingen in erheblichem Umfang Artikel über das Ehrenamt, das Vereinsleben, über Gewerbetreibende sowie über soziales Engagement und zwischenmenschlich verbindende Einrichtungen in die Berichterstattung ein.

Neben „Themen fürs Herz“ und Texten über Kuriositäten wurden jedoch auch kritische Facetten des städtischen Lebens – wie das Thema Sicherheit – nicht verschwiegen. So beleuchtete beispielsweise eine Reportage über das Sicherheitsgefühl der Stadtbewohner schwerwiegende Bedenken. Auch die Bedeutung der Kommunalpolitik in diesem Kontext sowie zahlreiche weitere Zusammenhänge standen im Fokus. Eine im Zuge des Projekts zur Kommunalwahl in Pirmasens durchgeführte eigene Umfrage erwies sich dabei als weitgehend zutreffend.

Um die Auswirkungen des neuen Mediums mit Modellcharakter zu untersuchen, wurde das Projekt von Dr. Marco Lünich, Kommunikationswissenschaftler an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, empirisch begleitet. Auf der Grundlage von Fragebögen und Interviews konnte Lünich nun im Haus der Union Stiftung – vor persönlich anwesenden wie auch zugeschalteten Zuhörern – feststellen, dass die Pirmasenser mit psst! Pirmasenser Storys überwiegend hoch zufrieden waren.

Besonders galt dies für Menschen mit höheren Bildungsabschlüssen sowie für Personen, die sich in Vereinen oder politischen Parteien engagieren. Ob die Berichterstattung während der Projektlaufzeit einen direkten Anstoß zur Aktivierung der Zivilgesellschaft gegeben habe, ließ sich nicht eindeutig belegen. Allerdings sei während der Laufzeit kein Rückgang des Engagements zu beobachten gewesen – möglicherweise ein Hinweis auf eine stabilisierende Wirkung. Lünich hob in seiner Präsentation zudem die besondere Bedeutung von Vereinsheimen als Treffpunkte des städtischen Soziallebens hervor. Außerdem sei psst! Wichtig bei der Anschlusskommunikation bei gesellschaftlichen Akteuren.

Eingeleitet wurde die Veranstaltung von JR Hans-Georg Warken, dem Vorstandsvorsitzenden der Union Stiftung. Er verwies auf die veränderten Gewohnheiten der Mediennutzung, insbesondere auf den Rückgang gedruckter Zeitungsausgaben. Gleichwohl seien lokale Nachrichten unverändert von hoher Relevanz für Kommunen, die wiederum die Keimzelle der Demokratie darstellten. Vor diesem Hintergrund habe die Stiftung das Forschungsprojekt finanziert.

Im Anschluss äußerte sich Michael Scholl, Geschäftsführer der Union Stiftung, zu Sinn, Entwicklung und Erkenntnissen aus dem Projekt. Dabei machte er deutlich, dass Lokaljournalismus von Begegnungen lebt. Gute Geschichten entstünden nicht am Schreibtisch, sondern dort, wo Menschen zusammenkommen: bei Vereinsfesten, bei Veranstaltungen, in Gesprächen auf dem Marktplatz oder bei offenen Redaktionstreffen. Wer heute lokale Medien mache, müsse präsent sein, zuhören, sichtbar sein und gezielt Räume schaffen, in denen Austausch möglich werde.

Rückblickend räumte Scholl ein, dass man Pirmasenser Storys anfangs vielleicht noch zu sehr wie eine klassische Zeitung gedacht habe. Heute würde man manches anders aufziehen: stärker dialogorientiert, noch näher an den Menschen und experimentierfreudiger. Gleichzeitig liege genau darin auch der besondere Reiz solcher Projekte. Man lerne unglaublich viel – journalistisch wie organisatorisch.

Mit dem Redaktionsteam sei, so sagte Scholl, in knapp zwei Jahren ein erfolgreiches Nischenmedium entstanden, das sich in der Stadt etabliert habe, Leser gefunden und Diskussionen angestoßen habe. Darauf sei er ziemlich stolz.

In einem anschließenden Grußwort sprach auch der Pirmasenser Oberbürgermeister Markus Zwick über Sinn und Wirkung des Projekts und gab Einblicke in die Entwicklung der Stadt. In der einst führenden Schuhstadt und dem früheren Stützpunkt der US-Streitkräfte habe der globalisierungsbedingte Wegfall von Arbeitsplätzen deutliche Spuren hinterlassen. Die Lage bessere sich jedoch, da neue Wirtschaftsunternehmen für Aufschwung sorgten und politische wie soziale Ansätze zu einer verbesserten Stimmung in der Einwohnerschaft beitrügen.

Nach der Präsentation der wissenschaftlichen Ergebnisse traten Dr. Marco Lünich und Michael Scholl in eine Podiumsdiskussion ein, die von der erfahrenen Journalistin und Beraterin Stéphanie Barsch moderiert wurde. Die zugeschaltete Projektleiterin von psst! Pirmasenser Storys, Julia Schepp, unterstrich dabei die Bedeutung, aktiv auf Menschen zuzugehen und sie für ihr unmittelbares Lebensumfeld zu sensibilisieren.

Wortmeldungen aus dem Publikum sorgten für einen lebendigen und ergiebigen Austausch über die Rolle des Lokaljournalismus und über das noch bis März dieses Jahres in Pirmasens weiterbetriebene Projekt. Zum Abschluss dankte Michael Scholl Stéphanie Barsch für die Unterstützung bei der Projektvorstellung sowie Dr. Marco Lünich für die spannenden Einblicke und die anschauliche Präsentation der Forschungsergebnisse.