Zuletzt aktualisiert: 27.03.2024

Die Werke des Forbacher Malers Joseph Zimmer fallen sofort ins Auge. Er widmet sich in seinen Gemälden, die in einem zeitgemäßen Realismus gehalten sind, Sujets aus Vergangenheit und Gegenwart. Die aktuelle Ausstellung dreier französischer, nahe der Grenze zu Deutschland beheimateter Künstler im Haus der Union Stiftung bietet dem Betrachter in dieser Form und Zusammenstellung Ungewohntes dar: Alte Kaffeemühlen, eine nicht minder alte Nähmaschine, betagte, auf einem unverschlossenen Lederkoffer liegende Bücher und Fördertürme von Grubenanlagen, die auf vergangene Zeiten deuten. Die Brücke zur Jetztzeit schlägt Zimmer mit überraschenden Kombinationen herkömmlicher Darstellungsgegenstände, die mitunter an den französischen Klassizismus erinnern, mit subtilen, erst auf den zweiten Blick erkennbaren Anspielungen auf rezente Begebenheiten. Mehrere Gemälde des Künstlers thematisieren auch in Gestalt eines Rückenaktes oder des halbentblößten Frauenkörpers genuin menschliche Sichtweisen. Dezidiert leuchtet sodann Gegenwart in einem Selbstporträt hervor, dem sich ein Konterfei der deutschen Altkanzlerin beigesellt. Bei alldem scheint dem Maler auch eine zarte Ironie innezuwohnen, denn er versteht es, Bilder im Bild erscheinen zu lassen, ein künstlerischer Prozess, der an die Vorgehensweise großer Meister erinnert, wenn nicht eine übergreifende Verzahnung, ein wohl bewusstes Außerachtlassen der Perspektive einen das Realistische übersteigenden Gehalt gewänne.

Werke von Joseph Zimmer

Die Malerin Yvette Henrion arbeitet hingegen, wie sie selbst sagt, zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion. Sie bezieht ihre Inspiration, gleich Joseph Zimmer, auch aus der Gegenwart, dann aber aus Reisen und Lektüre: Landschaften, deren Farbgebung über das rein Natürliche springt, Kirchtürme mit welscher Haube inmitten einer Altstadt, ein in stürmischer See befindliches Segelschiff, allesamt mit beeindruckender Auffassung von Licht und Schatten, alternieren mit gänzlich von der Realität losgelösten, sich überschneidenden Farbflächen. Diese seien, so schildert es die Künstlerin, unter Zurückstellen der Realitätsbestandteile entstanden und riefen fantastische, ätherische Welten hervor, in denen die vier Elemente in der guten alten Erde ihr Verhaftetsein fänden, jedoch eine Übersetzung in die Schönheit und Ruhe der Gegenwart erführen.

Werke von Yvette Henrion

Einen erheblichen Kontrast hierzu bildet der erblickbare Ausschnitt aus dem Œuvre des autodidaktischen Malers Patrick Penrad. Die italienische und flämische Renaissance, später dann surrealistische Meister hätten ihn, wie es in seiner Selbstauskunft heißt, künstlerisch angeregt. Was gezeigt wird, ist tatsächlich reiner Surrealismus, der in fein abgestuften Farben immer wieder menschliche Gestalten mit Natur, insbesondere astförmigen Gebilden verschmilzt und dabei gänzlich neue, ineinander zerfließende Kontexte herstellt. Seltener sind Flora und Fauna der alleinige Vorwurf eines Gemäldes. Magischen, ja religiösen Gehalt kann man vermuten, wenn in einem Werk ein „göttliches Auge“ herabblickt, in einem anderen eine Art der Himmelfahrt stattzufinden scheint. Ein wiederkehrendes Moment ist auch die Schilderung einer Form der Bedrohlichkeit, einer erheblichen Fracht, die dem Menschenleben zu tragen aufgegeben sei. Jedes seiner Werke ist – so deutet der Künstler selbst sein Schaffen aus – „einzigartig in Bezug auf eine Vision und ein erlebtes Gefühl.“

Werke von Patrick Penrad

Noch bis zum 30. April kann die einer intensiven Beachtung werte Kunstschau besucht werden. Gelegenheit, mit den Lothringer Schaffenden selbst in Fühlung zu geraten und in den Genuss einer exklusiven Führung zu gelangen, bietet ein Künstlerfrühstück, das am 10. April um 10 Uhr stattfindet.

Oliver Siebisch